Die Moehrendreiheit

Beim Moehrenschraapen
in der Kneipe am Moor
am l. September kamen hervor
drei Moehr’n, eng umschlungen,
so wie sie der lieben Erde entrungen,
drei Moehren als eine.
Sie sah aus wie keine,die Moehrendreiheit.
“Wie macht man sie reine?”
“Halt, halt, nicht so schnell!
Ich hab mir gedacht,
erst wird von drei Seiten ‘ne Zeichnung gemacht,
damit alle sehn, was heute geschehn
in der Kneipe am Moor.
So oft kommt doch
solch ein Wunder
nicht vor!”
Dies wurde getan;
dann kam die Zeichnung der 3 x 3 Moehren
in die Zeitschrift “Idee und Bewegung” hinein.
Als Leser in Amerika,
weit weg ueber’n Ozean,
sah ich mir die Zeichnung an; und sofort wurd’ mir klar,
dass schon im Zipfelmuetzenreim
von dieser Dreiheit
die Rede war.
Nun steht sie drei mal auf dem Papier,
und ist doch nur eine,
das wissen wir.
Ist alles nichts nuetz,
stellt man die Dreiheit auf den Kopf,
wird sie zur Zipfelmuetz.
Ich stell’s euch anheim.
Kennt ihr den Reim?
“Es geht eine Zipfelmuetz
in uns’rem Kreis herum, widibum.
Es geht eine Zipfelmuetz in uns’rem Kreis herum.
3 x 3 ist neune,
ihr wisst ja, wie ich’s meine.
3 x 3 und eins ist zehn.
Zipfelmuetz, bleib stehn,
bleib stehn,
bleib stehn.”
Nun muss man Moehren zu Wurzeln zaehlen,
die Urzell’n enthalten und Reifpunkte waehlen,
die ihnen passen,
dass sie sich gestalten,
mathematisch entfalten –
nach Idee kommt Bewegung –
aber hier greif ich vor,
doch das Datum ist wichtig
in der Kneipe am Moor.
Denn Moehr’n sind Kalender.
Sie wachsen und reifen nach dem Kalender:
Am 1. September in der Kneipe am Moor
da kamen im Datum
drei Zehnen vor:
1.9. 19 ‘91
Die Maer der Moehren
bleib bestehn.
Doch “3 x 3 und eins ist zehn”
bezieht sich nicht nur auf die Moehren,
nein, auch auf diese letzte zehn.
Hier, wie ihr seht,
hab’n eins und neun sich umgedreht
im Jahre 1991.
Ist’s doch ein Jahr
der grossen Wende.
In Freundschaft
gibt man sich die Haende.
Ein kleiner Beginn,
laengst nicht das Ende. Doch schliesslich
nach langer Vorgeschicht
muss es was werden wie in diesem Gedicht.
Ich will mich beeilen.
Es folgt in drei Zeilen:
MACHEN WIR MENSCHEN ES
WIE DIE DREI MOEHREN,
DIE UNZERTRENNLICH ZUSAMMENGEHOEREN.