ODIN’S TRAUM
Odin, wer bist Du?
Spiegelst Du Dich in meinem Antlitz ewiglich?
Lebensbaum, waechst Du aus Odins Traum?
Traum, Du Schoepfer der Wirklichkeit,
Sag, wohin geht es in Ewigkeit?
Ist der kurzeste Weg nicht auch sehr weit?
Blaugrauer Himmel, spiegelst Du Dich in meinem Auge wunderlich?
Fruchtbare Erde, ergrunde mein Wesen.
Ich kann selbst im Grund meinen Lebensgrund lesen.
Nacht, tiefe Nacht, hat mein Traum Dich erdacht?
Alles geschieht im Augenblick Anfang und Ende ist unser Geschick.
Jedes End ist ein Anfang. Jeder Tod ist ein Streben.
Unser Geist stirbt nimmer, sei’s im Traum, Tod oder Leben.
Von Odins Traum erwacht man kaum,
Doch schafft man, fuehlt man, denkt im Traum,
Hat Ueberblick im Todestraum.
Der Tag verblasst daneben.
1985